Sektion Freudenstadt e.V. des Deutschen Alpenvereins

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Ortler anstatt Dom

Freitag der 13.

Einerseits hatte dieses Datum für die Tour auf den Dom berechtigterweise seinen pechbehafteten Status. Denn leider konnte die Tour nicht wie geplant stattfinden, da sich der Hüttenwirt der Domhütte dazu entschlossen hatte, die Hütte trotz guten Wetters aber wegen zu schlechten Verhältnissen am Berg bereits am Donnerstag zu schließen.

Doch da wir ja nicht abergläubisch sind, hatte ich spontan umdisponiert und wir sind ins schöne Vinschgau gefahren, um den Ortler zu besteigen.

Angekommen in Sulden (1850m) stiegen wir dann vorbei an der Tabaretta-Hütte (2556m) hinauf zur Payerhütte (3029m), welche sich mit zunehmender Stunde immer mehr füllte. Viele Bergsteiger wollten den sonnig vorhergesagten Samstag nochmals für eine Ortlerbesteigung nützen.

     

So war dann am Samstag Morgen auch recht viel Tumult auf der Hütte und da wir nicht ganz so früh aufstehen wollten, beschlossen wir eher etwas später loszugehen. So war es dann auch schon 20 nach 7 als wir uns auf den Weg machten. Die Nordwestflanke der Tabarettaspitze querend steigen wir in felsigem Gelände hinauf bis zum „Wandl“. Da die Felsen mit ein wenig Neuschnee eingezuckert waren, zogen wir unsere Steigeisen an und kletterten hinauf bis zu einer etwas schwierigeren und ausgesetzten Stelle, wo Olli und ich dann ein Fixseil anbrachten, an welchem wir auch den zuvor von uns überholten Seilschaften den Aufstieg gewährten. Dies war gar kein Problem für uns, da wir zeitlich überhaupt nicht unter Druck standen und die Bergsteiger diese Hilfe dankend annahmen.

     

Danach traversierten wir das obere Ende der „Eisrinne“, wonach wir dann an einen geeigneten Platz beim „Bärenloch“ kamen, wo Gletscherseilschaften gebildet wurden. In einer 3er und einer 4er Seilschaft ziehen wir dann unterhalb der Seracs hinauf zum Tschierfegg, vorbei am Lombardi-Biwak und weiter auf´s Ortlerplateau, wo die Neigung dann nachlässt und sanft zum Gipfel hinaufzieht.

     

 

     

Am Gipfel war die Freude dann groß, da doch fast der komplette Aufstieg in Wolken und Nebel stattfand und hier oben dann strahlend blauer Himmel vorherrschte. Allerdings ragte nur der Ortlergipfel aus den Wolken, so dass wir keinen einzigen anderen Gipfel sehen konnten. Doch wir genossen die Sonne und auch den Blick auf´s Wolkenmeer. Bestimmt verbrachten wir eine ¾ Std. hier oben bevor wir uns an den Abstieg machten um dann auf der Hütte nachträglich auf Lando´s 50. Geburtstag anzustoßen.

  

Mit Eva, Uli, Mori, Lando, Helmut, Olli und mir fand sich wieder eine tolle Truppe zusammen, welche sichtlich Spaß miteinander hatte und sich alle gut verstanden. Somit war es für alle ein tolles Wochenende. Mit Sonne, Gipfel, sehr guter Hütte und netten Menschen. So soll eine Bergtour sein!

Seniorenwanderung vom Seibelseckle zum Ruhestein

Am Donnerstag, den 05.09. fuhr eine Gruppe von 30 Donnerstagsenioren zum Seibelseckle. Manfred Umhofer führte die gutgelaunte Wandergruppe über die neu angelegte Etappe des Seensteigs bis zum Ruhestein. Zunächst ging es steil ein Stück den Skihang unter der Lifttrasse hinauf. Nach knapp halber Höhe zweigt rechts der neue Steig ab. Ein wunderschöner schmaler Pfad mit herrlicher Aussicht führt bis zur Darmstätter Hütte  Hier wurde eine Trinkpause eingelegt.

Weiter gings, teils auf "abenteuerlichen Umwegen" zum Eutinsgrab und Wildseeblick zum Ruhestein. Die Zeit bis zur Heimfahrt vom Ruhestein wurde etwas knapp, sodass einige den Sesselift talwärts in Anspruch nahmen. So wurde Zeit für die Schlußeinkehr in der Ruhesteinschänke gewonnen.

Vielen Dank an Manfred und Christel und nicht zu vergessen, die Spürnase Heidi

 

Fachübungsleiterkurs Alpinklettern Hochgebirge

Für eine Woche bezogen wir am Sonntag Quartier auf derHundsteinhütte im Alpsteingebiet, um den letzten der drei Kurse zu absolvieren, die zum Fachübungsleiter Alpinklettern führen. Schon allein wegen dem erstklassigen Bergkäse ist das Gebiet im Appenzellerland eine Reise wert, aber auch das sympathische und fürsorgliche Hüttenehepaar Ruth und Paul machten die Woche zu einem besonderen Erlebnis.

HundsteinhütteHoher Kasten

Die Schulungsgruppe bestand aus neun Teilnehmern und zwei Bergführern, die die Ausbildung leiteten. Gleich am ersten Abend bekamen wir in geteilter Gruppe die Aufgabe, eine Klettertour für den Folgetag zu planen. Die ersten vier Tage bekamen wir von der Sonne nichts zu sehen, was jedoch durch geschickte Planung des Programms nicht weiter störte. Am ersten Vormittag behandelten wir so praktisch grundlegende Themen der Seil- und Sicherungstechnik, sowie das Abseilen in geführten Touren. Auch Themen der behelfsmäßigen Bergrettung wie Flaschenzüge mit loser Rolle im Fels und den klassischen Schweizer nach der Methode Eberle und die Seilverlängerung in drei verschiedenen Varianten wurden geübt.

Peter bei der Übung zum Ablassen mit der Platte2-Mann Bergemethode in steilem Gelände

Als führungstechnische Maßnahmen wurden zwei Varianten des Geländerseils und die Methode des Fixseils im Auf- und Abstieg angewendet.

Route am FähnligipfelStand in der Route am Fähnligipfel

Am frühen Nachmittag stiegen wir dann doch noch in die ursprünglich geplante Tour am neuen Südplättli ein, das durch den nassen Fels gefühlt einen Grad anspruchsvoller wurde als im Führer angegeben. Durch einsetzenden Regen im oberen Wandteil beschlossen wir den einfacheren Abstieg durch vierfaches Abseilen dem Weiterweg über den Verbingungsgrat zum Fähnligipfel vorzuziehen.

Am Dienstag verschlechterte sich das Wetter weiter und so wurden Theorieeinheiten über Führungstechniken und Praxiseinheiten über Bergrettung und Führung in Hüttennähe eingebaut. Am Nachmittag blieb auch noch genügend Zeit, um die theoretische Prüfung in den Teilbereichen Sicherungstechnik, Wetter, Ökologie, Ausrüstung und alpine Gefahren, sowie die praktischen Prüfungen in Seiltechnik und behelfsmäßiger Bergrettung vorzubereiten, die den Mittwoch ausfüllten.

Übung zur behelfsmäßigen Bergrettung mit Seilverlängerung an doppelter HMSFählensee mit Altmann, ganz rechts Hundstein

Am Mittwoch Nachmittag trat endlich die erhoffte Wetterbesserung ein und so wurde am Donnerstag zunächst eine Übung der behelfsmäßigen Bergrettung im senkrechten Gelände ausgeführt. Ein verletzter Kletterer wurde mit der 2-Mann-Bergemethode gerettet und mit doppelter HMS durch Seilverlängerung über eine weite Strecke abgelassen. Rotierend absolvierten die Teilnehmer dabei alle Stationen der Übung und konnten so den Ernstfall eindrücklich simulieren.

Jochen am Stand in einer Route am FähnligipfelSteile Platte am Fähnligipfel

Nach kurzer Pause ging es im Anschluss gleich weiter mit einer Übungstour für die anstehenden Prüfungstouren, dieses Mal mit Ziel der Route „Via Röstiraffle“ am Fähnligipfel. Als Führungstour wurde so entweder in der Dreierseilschaft oder in der Zweierseilschaft ohne Wechselführung geklettert. Der Nachsteiger wird hierbei durch den Vorsteiger betreut und z.B. die Selbstsicherung des Nachsteigers, sowie das Einlegen des Seils in die HMS zur Vorstiegssicherung vom Führer übernommen.

Olli in der letzten Abseillänge in der "Chli Höll"Ein  Pracht-Edelweiss direkt im Klettergarten-Übungsgelände

Für Freitag und Samstag standen nun Prüfungstouren auf dem Programm. Die Teilnehmer bekamen die Aufgabe, selbstständig drei Touren auszuwählen, die mindestens 8 Seillängen lang und den fünften Schwierigkeitsgrad aufweisen. Aus diesen wählten die Bergführer die tatsächlichen Touren aus.

Gipfelgrat am AltmannErkundung des Standplatzes zur Sicherung der Seilschaft am Gipfelgrat des Altmanns

Während der Touren wurde die Führerrolle jeweils gewechselt. So wurden die Aufgaben Zustieg, Suche des Einstiegs, Führung am Fels, Abstieg zur Hütte jeweils von unterschiedlichen Personen übernommen. Unvorhergesehner Weise ereignete sich gegen 14 Uhr in der letzten Seillänge an der Freiheit ein Unfall durch Steinschlag, durch den ich eine Platzwunde am Kinn erlitt. Da eine Bergung mit dem Helikopter zu diesem Zeitpunkt wegen tiefen Wolken nicht möglich war, die Wunde jedoch innerhalb von 6 Stunden genäht werden musste, wurde von beiden Bergführern eine vorbildliche Rettung eingeleitet. Im Fußabstieg wurde ich vom Gipfel der Freiheit über den Hundstein zur Hundsteinhütte geführt. Von dort zur Alm, von aus ich sofort mit dem Hüttenwart Paul ins nächste Krankenhaus nach Appenzell gefahren wurde. Die Wunde wurde genäht und dank Paul konnte ich bereits um halb acht wieder zurück auf der Hundsteinhütte sein.

Trotz dieses Zwischenfalls konnte ich an der Tourenplanung für die nächste Prüfungstour, der alten Südwand am Altmann mit Direkteinstieg teilnehmen. Am Samstag wurde dann wie bereits am Tag zuvor diese Führungstour durchgeführt, zum Glück jedoch dieses Mal ohne unfallfrei.

Ostwand des AltmannGipfelgrat am Altmann

Am Abend wurde dann das bereits heiß erwartete Ergebnis der Prüfungen verkündet. Für mich bedeutete das, die Mühen der letzten Tage und Jahre hatten sich gelohnt, ich hatte alle Prüfungen erfolgreich bestanden und bin nun „Fachübungsleiter Alpinklettern“!

Oliver Mohrlok

Senioren-Brunnenwanderung mal anders

Dank der Überredungskünste von Udo fand im Juli 2013 die als Brunnenwanderung beworbene Wanderung zu den Schnapsbrunnen um Ottenhöfen statt. Organisiert fuhren 28 brunnenwillige Teilnehmer mit dem Bus nach Furschenbach, wo die Wanderung mit einem Begrüßungtrunk und einem echten Schnapswanderglas begann.

Entlang des Mühlenweges, vorbei an der Mühle "am Rain" konnten die durstigen Wanderer auch bald den ersten Schnapsbrunnen ausprobieren. Beim späteren Anstieg zum Schnapskühlschrank hinderte der erste Trunk nicht.

Die nächste Rast diente zugleich als Stärkung, um eine weitere kleine Anhöhe munter zu erklimmen. Die ersten Rufe nach dem nächsten Brunnen erstummten schon bald, als dieser mit ergänzendem Most sichtbar wurde.

Auch der Anstieg zur Könninger Mühle wurde durch den dort befindlichen Brunnen belohnt. Wie gemacht konnten wir dort alle unter den schutzbietenden Bäumen den kleinen Regenguss abwarten.

Der nächste Brunnen bot den versprochenen Eierlikör leider nicht, so dass das schwarzwälder Zibärtle aushalf. Die Einkehr bei Richhard entlockte manchem Seniorenwanderer die Aussage "also sonst kehren wir nicht so oft ein und laufen auch schneller". smiley smiley smiley

Ja, ja die Senioren mussten und durften eine etwas andere Wanderung erleben..... .......

       

Die geplante Einkehr in der Benzmühle, das Vesper, und zwei weitere Schnapsbrunnen rundeten diese besondere Wanderung ab. Irgendwie hat es glaube ich allen gefallen und wir vereinbarten, dass wir nächstesJahr wieder eine Brunnenwanderung durchführen, bei der man an den Brunnen sein Geld loswerden kann. 

 Eine kleine Lesung aus dem Buch: "Schnapsbrunnen im Nordschwarzwald" (www.schnapsbrunnenbuch.de) gehörte natürlich auch zum Programm und wir saßen alle zufrieden und eben andes als sonst im uns abholenden Bus.

Also nächstes Jahr gerne wieder, Thomas Laufer als Gastguide smiley

Weisshorn Nordgrat

Am Samstag traf ich Jochen in Zinal, dem touristischen kleinen Ort im hintersten Teil des Val d'Anniviers auf 1670 m. In der Nachmittagssonne stiegen wir auf zur neu erbauten Cabane de Tracuit (3256 m). Das Wetter war gut vorhergesagt, eine durchgezogene Kaltfront hatte etwas Neuschnee und einen Temperatursturz von 15 °C in der Höhe gebracht, doch die Bedingungen für die geplante Tour sollten passen.

SteinbockZinalrothorn im Aufstieg zur Cabane de TracuitCabane de Tracuit

Gegen halb sechs am Abend erreichten wir die Tracuithütte und konnten schon einen Blick auf die ersten Meter der Aufstiegsspur des Turtmanngletschers Richtung Bishorn werfen.Die moderne Cabane de Tracuit erinnert im Innern wenig an eine urtümliche Berghütte, bietet aber komfortable Unterkunft für mehr als 100 Leute.

Seilschaft hinter uns am NordgratGrande Gendarm und Firngrat zum GipfelJochen am Grat

Die Nacht war kurz, um1:30 ging es im Licht der Stirnlampen über den Gletscher. Ein eisiger Wind begleitete unseren Aufstieg in sternklarer Nacht und so verweilten wir um 4:30 nur kurz am ersten Etappenziel, dem Gipfel des Bishorn (4153 m). Die Temperatur musste einiges unter dem Gefrierpunkt liegen, gefühlt gegen -10 °C.

Bishorn und WeisshornjochGipfel in Sichtweite

Im guten Firn ging es hinunter ins Weisshornjoch (4058 m), wo der Anstieg zum Weisshorn ebenfalls mit einem Firngrat begann. In der Morgendämmerung wurden wir nun erstmals mit einem grandiosen Rundblick belohnt. Nun konnten wir im Aufstieg die Stirnlampen ausschalten, genau richtig zum Beginn der technischen Schwierigkeiten im Fels. Schwierige Klettermeter im Abstieg konnten durch zwei Abseilstellen, jeweils etwa 15 m umgangen werden, doch war die Kletterei angenehm und konnte am gleitenden Seil gemeistert werden. Im kombinierten Gelände kletterten wir den gesamten Grat mit Steigeisen. Die Schlüsselstelle der Tour stellte der untere Teil des Grande Gendarm (4331 m) dar, wo wir 3 Seillängen etwa im 4. Grad konventionell sicherten. Von hier aus ging es die restlichen Höhenmeter bis zum Gipfel über einen makellosen und scharfen Firngrat, von Westen wehte im Luv ein unangenehm stürmischer und eisiger Wind, der uns teilweise auf alle Viere zwang. Wie geplant erreichten wir nach 9 Stunden Aufstieg um 10:30 das Weisshorn (4506 m) und wurden Zeugen einer spektakulären Heli-Bergung eines entkräfteten Bergsteigers am Gipfel.

Heli-Bergung am GipfelJochen am GratMatternhorn Nordwand und Zinalrothorn rechts

Die Freude war groß, auf diesem mächtigen Gipfel zu stehen, die Aussicht grandios – Matterhorn, Dent d'Héréns, Obergabelhorn, Wellenkuppe, Zinalrothorn, Schalihorn, die Mischabelgruppe mit Täschhorn, Dom, Nadelgrat und viele mehr...

Jochen und OlliWeisshornhütte

Jedoch stand uns noch ein langer Abstieg über den Ostgrat bevor, den Normalanstieg auf das Weisshorn. Im obersten Teil erschwerten Blankeisstellen den Abstieg, die wir jedoch mit Eisschrauben entschärfen konnten. Im felsigen Abstieg vom Frühstücksplatz über die mittlere Rippe musste besonders vorsichtig abgestiegen werden, um keine Steine loszutreten, was durch vorausgehende langsame Seilschaften etwas erschwert wurde. Nach 16,5 Stunden erreichten wir die Weisshornhütte, eine urtümlichen kleinen Berghütte mit Waschbrunnen vor dem Haus. Geschafft war der Abstieg und auch eine großartige Tour auf einen der höchsten Berge der Alpen.

Oliver Mohrlok, Jochen Haizmann