Sektion Freudenstadt e.V. des Deutschen Alpenvereins

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Aktuelle Seite: Start Touren 2015 Täschhorn-Dom

Täschhorn-Dom

Im August 2008 unternahmen wir mit den Senioren eine Hochtour auf das Lagginhorn und wanderten am nächsten Tag von der Täschalpe nach Zermatt. Die Aussicht auf die Walliser Bergriesen beeindruckten uns sehr. Die Senioren hatten viel von den 4000ern zu erzählen, vor allem Hannes und Wolfgang, so entstand für Tobi und mich der Traum, einmal die Täschhorn-Dom-Überschreitung zu machen. Täschhorn, der schwierigste Viertausender im Wallis, ein langer Verbindungsgrat mit losen Steinen, eine lange Kletterstrecke über der 4000er Grenze.

Sieben Jahre später, 8. Juli 2015, alles passt, die Verhältnisse, die Zeit, die Motivation, wir setzen den lang gehegten Traum um. Die Planung ziehen wir aus der Schublade, eine halbe Stunde Besprechung am Dienstag, Mittwoch fahrt ins Wallis. Am Donnerstag Aufstieg von Randa und Übernachtung in der Täschhütte auf 2701 m.

Zur Akklimatisation steigen wir am Freitag über den Rotgrat (ZS+, III+) auf den Alphubel 4206 m. Im guten Fels erwartete uns ein schöner Aufstieg auf diesen wie waagrecht abgeschnitten wirkenden Riesenberg, dessen Gipfel nur schwer auszumachen ist. Im kombinierten Gelände erreichten wir das Mischabelbiwak (3851 m) durch Abstieg am Nordgrat zum Mischabeljoch. Hier ging es international zu, Engländer, Franzosen, Schweizer, Schwarzwälder und Erzgebirger – es gab noch freie Betten und man arrangierte sich gut.

Durch ein Missgeschick im Abstieg zum Biwak verabschiedete sich mein Eispickel – bei der geplanten Tour der wichtigste Ausrüstungsgegenstand. Auch ein Rettungsversuch mit ca. 200 m Abstieg in die Ostflanke bis zu einem Steilabbruch brachte keinen Erfolg, der Eispickel blieb verschollen. Wir fassten den Entschluss, trotz dieser Einschränkung einen Versuch zu wagen und ggfs. einen Rückzug anzutreten.

Samstag – Gipfeltag, um 3:50 starten wir am Biwak bei Mondschein. Die am Vortag erkundeten Wegpunkte werden abgespult und wir stehen um 6:30 am Täschhorn (4491 m) – mit 2:40 in der Hälfte der veranschlagten Zeit. Die Verhältnisse sind sehr gut, wir klettern an trockenen Felsen ohne Steigeisen. Der Abstieg vom Täschhorn verläuft anspruchsvoll in gutem Fels mit einigen schönen Kletterstellen, die wir am gleitenden Seil begehen und an einem Gendarm abseilen.

Der schwierigste Teilabschnitt folgte vom Domjoch (4281 m) im Aufstieg zum Dom, da die Kletterei teils über loses Gestein führt. Die Strategie, wenn möglich immer am Grat bleiben und nicht in die brüchigen Flanken auszuweichen war der Aufstieg problemlos und schön. Um 11:15 standen wir nach gerade einmal knapp 7 einhalb Stunden auf dem Dom (4545 m) – geplant hatten wir 10 bis 11 Stunden.

Was nun folgte war der obligatorische und wenig schwierige Abstieg über die Normalroute zur Domhütte (2940 m) und ins Tal nach Randa (1406 m) – ein typischer Westalpenabstieg mit 3139 m. Geschafft – wir haben unseren Jugendtraum in die Realität umgesetzt!

Tobi und Olli