Sektion Freudenstadt e.V. des Deutschen Alpenvereins

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Besteigung des Dente del Gigante

Am 23. August traf unsere Nachhut auf dem Campingplatz im wundervollen Val Veny bei Courmayeur ein. Die Männer waren da !!! Meiner Lieben war glaub nicht ganz wohl und sie befürchtete, von nun an den „Hirschen“ hinterher springen zu müsssen. So, so, der Mann der Hirsch! Hmm, glaub eher, der Mann - der Gockel ! Doch selbst dieses stolze Tier muss manchmal Federn lassen! Aber nun von Anfang an. Die komlette Truppe für den Dent du Geant, den Zahn des Riesen, oder viel schöner, da eh von Italien aus bestiegen, der Dente del Gigante (40134 m) und dem Arete de Rochefort mit dessen Aiguille (4001) und Dom (4013) de Rochefort bestand aus Sven Springwald, Rolf Eberhardt, Lando Huber Denzel, Ellena Beck und Oliver Dorka. Da die zwei letzt genannten dieses Jahr noch nicht so arg viel in der Höhe unternahmen, fuhren sie ein paar Tage früher los, um sich gemütlich zu akklimatisieren. Wir gingen nicht hinauf auf den höchsten Berg der Alpen, wir gingen unter ihm hindurch. Unterschritten ihn sozusagen. Wie eben die meisten Menschen, welche dem Mont Blanc nahe kommen.Wir fuhren hinüber nach Chamonix, durch den Tunnel, denn ich wollte Ellena unbedingt dieses Ambiente zeigen. Dieses Ambiente war dann schrecklicher als vorgestellt! Menschen ohne Ende. 99 % Touristen. Also nichts gegen diese Spezies, aber wir sind hier schließlich im Bergsteiger-Mekka !!! Was machen all die Touries hier ??? Hoch zur Aiguille de Midi mit der Bahn, wie wir eben auch. Wir wollten doch heute noch den Cosmique Grat und morgen den Midi-Plan-Grat machen. Aber das war zuviel, wir fühlten uns unwohl in dieser Menge. Ok, Programmänderung – die Menschenmenge auf dem Platz vor der Kasse der Bahn ist erdrückend. Wir lassen das mit dem Midi-Plan-Grat. Laufen heute dafür vom Dorf hinauf nach Montenvers, immerhin auch ein paar Höhenmeter und zur Belohnung der Blick auf die Petit Drus, Aig. Verte, ... und nehmen dann morgen in der Früh die erste Bahn um 6.30 Uhr. Unser Plan ging ziemlich auf. Mit einer der ersten Bahnen ließen wir uns hinauf katapultieren – hinauf auf die Aig. Du Midi auf über 3800 m. Liefen dann praktisch im Halbkreis zur Hälfte um sie herum bis zum Biwak Abri Simond und kletterten über den Cosmique Grat wieder auf sie hinauf. Dann: Menschenmenge – Gondel – Tal. Gut, der Cosmique ist wunderschön zu klettern, wahnsinns Aussicht auf sämtlicher 4000er des Gebiets und außer uns nahmen wir nur zwei weitere Seilschaften wahr. Auch eine Seltenheit hier. Aber wie gesagt, Chamonix war voller Touristen. Nach kurzem schlendern duch Chamonix entflohen wieder der Menschenmasse und zogen uns auf unseren Campingplatz im Val Veny zurück.

   

   

Einfach herrlich diese Idylle, diese Ruhe. Die Aiguille Noire de Peuterey zieht den Blick magisch an und läßt uns von großen Touren träumen, welche von dieser Seite des Berges hinauf auf dessen Gipfel ziehen – Peutereygrat – Innominatagrat – Brouillardgrat. Alles sehr, sehr lange und klassische Anstiege auf den höchsten Berg der Alpen. Die Länge dieser Anstiege ist die Crux, nicht etwa die technischen Schwierigkeiten. Hier sollte das Wetter und die Verhältinisse 2-3 Tage passen, sonst hat man ein Problem. Diese Art von Bergsteigen hat mit, wie wir es tauften, unserem „Gondelalpinismus“ überhaupt nichts zu tun. Es ist noch ehrliche Bergsteigerei. Wie dem auch sei, um uns vor dem Eintreffen der Anderen noch ein wenig zu bewegen, gingen wir noch über eine Art Klettersteig hoch zum Rifugio Monzino, von wo aus man in alle drei dieser Grattouren einsehen konnte. Einfach atemberaubend! Als wir nun wieder auf dem Zeltplatz eingetroffen sind, waren zwischenzeitlich sämtliche Hirsche (Gockel) eingetroffen.

  

Manch Einer wollte wohl noch am Nachmittag hinauf zur Pointe Helbronner, doch ich zog es vor, diesen Tag gemütlich ausklingen zu lassen. Gemütlich kochten wir Leckeres zusammen und beschlossen, in der Früh um halb Sieben mit der ersten Bahn von Courmayeur hinauf zu fliegen um den Dente del Gigante zu erklimmen. Also wieder, Gondelalpinismus! Von der Südseite her aber bei Weitem nicht so von Touristen überfüllt. Und dies Obwohl die Bahn viel moderner ist. 2015 eröffnet, drehen sich seither bei der 9m/s Auffahrt die Gondeln um ihre eigene Achse! Da mußt dann nicht mal mehr den Kopf drehen um in sämtliche Himmelsrichtungen zu klotzen. 110 Mio. Euro kostete dieses technische Wunderwerk. Eigentlich ein Schnäppchen, wenn man bedenkt, was für Summen heutzutage für Fußballer ausgegeben werden. Auf der Pointe Helbronner (ca. 3460) angekommen, durch ein Tunnel- und Aufzugsystem mit dem Rifugio Torino und dem Schritt hinaus auf den Glacier du Geant verbunden, machten wir uns daran, dem Zahn des Riesen näher zu kommen. Der Weg ist nicht weit. Man quert das Gletscherplateau des Col du Geant unter den Aiguilles Marbes und steigt am Ende etwas steiler den Firnhang zum Sockel der Gengive des Dent du Geant hinauf. Sozusagen an dessen Zahnfleisch geht es dann, ohne zwingende Route über gestuften Fels, Blockgelände und Schottersteige hoch zum Frühstücksplatz, dem Ausgangspunkt der eigentlichen Kletterei zum ersehnten Gipfel. Wie sich herausstellte, fanden wir hier nicht den günstigsten Weg und waren in der Schusslinie des von der Seilschaft vor uns ausgelösten Steinschlags. Schläge abbekommen wichen wir dem aus und suchten unsere eigene, neue Linie, was in der Summe dann doch auch an den Nerven des Einen oder Anderen nagte. Nichtsdestotrotz setzten wir vom Frühstücksplatz aus dann den Aufstieg fort. Allerdings nur noch zu viert, die Gockel! Ellena wollte hier auf uns warten und die andere Seilschaft kehrte um. So konnten wir die gesamte Tour und den Gipfel für uns alleine genießen. Eine Seltenheit an diesem sonst recht überlaufenen Berg. Das lag wohl daran, daß ab dem Nachmittag schlechtes Wetter vorhergesagt war. Tatsächlich machte mich der Blick zum Himmel auch recht nervös, da ein Gewitter an diesem exponierten Berg eine Katastrophe wäre. Also Vollgas! Recht zügig erreichten wir dann auch den Gipfel, bestaunten die Blitzeinschläge an der Gipfelmadonna und machten uns alsbald an den Abstieg. Dieser Bestand aus viermaligem, zum Teil sehr luftigem Abseilen durch die überhängende Südwand, wo uns dann auch das Wetter erwischte und es anfing zu Graupeln. Wir hatten Glück! Das Gewitter blieb aus und der Regen, bzw. Schneefall hielt sich in Grenzen.

   

    

 

Meine Gedanken während dem Abstieg drehten sich dann viel um die Fortsetzung dieser Tour. Mir war beim Anblick des Rochefortgrates gleich bewußt, daß die Verhältinisse alles andere als optimal sind und mir diese Tour zu risikoreich sein wird. Nur mit größtem Aufwand würden die ausgesetzen Stellen auf dem Grat und in den aperen Flanken sicher begehbar sein. Der schlechte Winter zeigt seine Folgen und blankes Eis oder nur wenig Schneeauflage machten diese Tour für mich unverantwortlich. Doch wie soll ich dies den Männern beibringen ?? Es half nichts, meine Entscheidung auf den Verzicht stand fest und ich teilte ihnen einfach meine Gedanken mit. Ein wenig Enttäuschung machte sich doch breit beim Einen oder Anderen. Dennoch bin ich froh über diese Entscheidung und glaube, daß wir am Folgetag mit der Klettertour Velociraptor (6a) auf die Aiguille de Chatelet einen wunderschönen Abschluß dieser DAV-Gemeinschaftstour gefunden hatten. Es war eine herrliche Kletterei an Leisten, Rissen, über Platten und durch Verschneidungen. Alles was das Kletterherz höher schlagen läßt – und dies alles beim Anblick der drei oben genannten klassischen Grate auf den Monte Bianco. Die Männer machten sich dann am selben Abend noch auf nach Hause.

     

Ellena und ich fuhren nach einer weiteren Nacht auf dem Campingplatz noch ein Stück das Aostatal hinunter. Ins Valpelline, mit dem Gedanken, einen der entlegensten 4000er der Alpen zu besteigen. Den Dent d´Herens (4174 m).Schon allein der Hüttenzustieg zum Rifugio Aosta fordert mit seinen 14 Kilometern ein gewisses Durchhaltevermögen. Doch wir genossen die Ruhe und Einsamkeit in diesem versteckten Winkel der doch recht oft überlaufenen Alpen. Den Gipfel ließen wir dann sausen, denn die Vorhersagen waren wieder recht unsicher und die einzigsten Gäste auf der Hütte, ein italienischer Berführer mit seinen holländischen Kunden, wollten „nur“ auf den Tete de Valpelline und wir wären dann bei den eh schon schlechten Verhältinissen die einzigsten am Berg geswesen. Ein Traum zwar, doch manchmal muß man den Gipfel einfach Gipfel sein lassen und auf seine innere Stimme hören. Wieder einmal! Wie am Rochefortgrat. Doch dieses Mal wurden wir duch den Verzicht des Gipfels auf andere Weise belohnt. Wundervolle, nette Stunden verbrachten wir mit den zwei Brüdern Diego und Marco, welche die Aostahütte betreiben. Diese Bekanntschaft, ich will es schon Freundschaft nennen, erfüllt mich mehr als ein erreichter Gipfel. Somit kann ich als Gockel für mich dankbar für diese Tage sein, denn trotz dem „Federn lassen“ beim einen oder anderen Berg, fand ich hier tiefste Zufriedenheit. Fernab des schnellen Lebens, des Gondelalpinismus und des egobefriedigenden - nur der Gipfel zählt – Bergsteigens, wurde ich hierbei wieder geerdet und stieg voller Freude und Glückseeligkeit die selben verdammten 14 Kilometer wieder zurück ins Tal. Ohne Gipfel, dafür mit dem Schatz der Freundschaft!

   

  

50 Jahre DAV Sektion Freudenstadt

Hallo Leute, wir haben etwas zu feiern – unsere Alpenvereins-Sektion hat einen runden Geburtstag und wird 50 Jahre alt! Am Wochenende war ich mit Jochen im Mont Blanc Gebiet unterwegs, einem klassischen Bergsteigergebiet. Noch nie zuvor war ich in Courmayeur, auf der italienischen Seite im Aostatal. Im Alpintreff hängt ein Gipfelbild vom Mont Blanc, darauf sind einige unserer jetzt schon älteren Vereinskameraden zu sehen. Bei unseren Gruppenstunden von UpSeilDown fällt oft der Blick darauf, einmal wurde sogar am Donnerstagabend das 25. Jubiläum dieser Besteigung gefeiert…

Ich war mit Jochen Haizmann auf historischen Spuren unterwegs. Wir hatten keine Besteigung des Mont Blanc geplant, aber allein der Anblick des Giganten von der Turiner Hütte, die bequem mit der Seilbahn erreicht werden kann, ist majestätisch. Der höchste Berg der Alpen, markant ein gezackter Grat, der bis zum Gipfel führt. Jochen klärt mich auf, das ist der Peutereygrat. Den hat Ueli Steck im Alleingang in einem Tag begangen. Und der unterste Zacken, das ist die Aiguille Noire. Ich habe mich mit den Details noch nicht so befasst, aber sofort klingelt es in meinen Ohren. Aiguille Noire de Peuterey, das ist eine Tour aus dem Topoguide Führer, eine die mit „extrem“ angegeben ist. 50 Seillängen bis zum Gipfel auf 3772 m, danach ein extrem langer Abstieg mit etwa 20 Abseilstellen.

Gesamter Peutereygrat

Doch nicht diese Tour ist es, die mir plötzlich einfällt, sondern ein Gespräch mit Hannes Gaiser. Immer freue ich mich, wenn wir uns treffen. Er kennt sich so gut mit den Touren aus. Sein Vater war ein ganz großer Bergsteiger, allerdings gab es damals noch nicht die Sektion Freudenstadt. Er war auch hier unterwegs, im Mont Blanc Gebiet.

Unser Plan ist es, von der Torino Hütte in einem Tag über den Rochefortgrat zum Canzio Biwak zu gehen. Eine ziemlich schwere Hochtour im exponierten Gelände. Dabei werden zwei Viertausender überschritten. Am zweiten Tag folgt die Überschreitung von sechs weiteren Viertausendern der Grandes Jorasses, insgesamt eine sehr lange Tour und anschließend ein komplizierter Abstieg zurück nach Courmayeur. Unser Versuch endet beim ersten Viertausender, der Aiguille de Rochefort (4001 m). Es liegt zu viel Neuschnee, wir haben Rückenschmerzen und Halsweh, brechen die Tour ab, wir gehen kein Risiko ein, zu Hause warten unsere Familien und Kinder.

Im Abstieg fällt mein Blick wieder auf den Peytereygrat, was für ein unglaublich langes Stück Fels, kombiniert mit Firn und Eis – der sieht noch länger aus als der Verbindungsgrat zwischen Stock- und Bietschhorn, neulich im Berner Oberland.

Mer de Glace

Zu Hause lässt es mir keine Ruhe, wie war das nochmal mit Fred Gaiser und der Aiguille Noire? Im Internet finde ich einen Bericht im Sektionsblatt der Sektion Schwaben von 4/2015 „Große Bergfahrten in der Bergwelt des Mont Blanc – Ein Vortrag von Fred Gaiser“. Hier finde ich, was mir Hannes Gaiser vor Jahren erzählt hat. Fred Gaiser ist mit seinem Seilpartner vom Refuge de la Noire um 4 Uhr gestartet, beschwingt in 6 Stunden auf die Aiguille Noire geklettert, dort im Dülfersitz mit zwei 40-m-Hanfseilen 500 m oft senkrecht im unbekannten Gelände ohne Topo abgeseilt. Ein Biwak ist im Abstieg notwendig. Doch hier ist die Tour nicht zu Ende, unseren Blick von der Turiner Hütte habe ich vor Augen, hier beginnt erst die eigentliche Kletterei. „Noch ist der Himmel blau, aber Föhn und Wettersturz kündigen sich an.“ Der Grat ist lang, das Wetter wird schlecht, ein zweites Biwak „wahrscheinlich oberhalb des Grand Pilier d‘Angle“. Trotz aller Widrigkeiten erreichen Fred Gaiser und Bertl Lehmann den Gipfel Mont Blanc de Courmayeur (4748 m) und den Mont Blanc (4807 m), „mühsam und ohne Sicht, Abstieg, Spaltensturz, neuer Sturm, Blankeis, endlich dunkler Fels in einem Wolkenloch: die Vallothütte, Rettung, Freudentaumel“. Am vierten Tag Abstieg nach Chamonix, schon am Abend liegen sie am Genfer See und Fred Gaiser beendet seinen Vortrag „Leise plätschern die Wellen – Bootslichter bewegten sich auf dem See – der Wind trug fröhliche Laute ans Ufer – und in unseren Herzen sang und klang es: Monte Bianco – Monte Bianco“.

Grosse Bergfahrten in der Bergwelt des Mont Blanc - Ein Vortrag von Fred Gaiser

Gern wäre ich bei dem Vortrag dabei gewesen! Es ist für mich unvorstellbar, wie in der damaligen Zeit um 1935 solche Leistungen vollbracht wurden. Es gab keine leichte Ausrüstung, wie wir sie heute verwenden, keine Topprodukte der Bergsportindustrie, keine Highend-Schuhe mit Goretex-Membran – es gab ja noch nicht einmal einen „stink normalen“ Abseilachter…

Es gibt viele große Touren, die in unserer Sektion in den letzten 50 Jahren gemacht wurden, Expeditionen im Karakorum, Grönland, in den Anden, ich kenne nur die Spitze des Eisbergs. Vieles wurde bestens in der Chronik dokumentiert und wird im Jubiläumsjahr aufgearbeitet. Es sind jedoch nicht nur diese herausragenden Dinge, sondern viele kleine und wenig bedeutende Touren auf unbedeutende Gipfel oder gar Klettertouren, die nicht einmal auf einen Gipfel führen oder gar nur ein kleiner Boulderfels, ja sogar manchmal auch ein gefrorener Wasserfall. Ganz egal was es ist, es gibt ein verbindendes Element – eine Leidenschaft, die uns antreibt, gemeinsam Abenteuer, schöne und anstrengende Dinge zu unternehmen.

Keep Wild Klettern im Baltschiedertal

Baltschiedertal – das Tal der historischen Wasserleitungen, der Suonen. Wildromantisch schlängelt sich die Leitung entlang am Abgrund, mit nur minimalem Höhenunterschied. Sie ist immer noch intakt und wird jedes Jahr gepflegt – was für eine bauliche Leistung der damaligen Zeit.

Das Baltschiedertal gehört zum UNESCO Weltnaturerbe, in diese Ecke des Berner Oberlandes „verirren“ sich nur wenige Menschen und es gibt viel Natur.

Von P1264 oberhalb Ausserberg wandern wir vorbei am Biwakplatz Martischipfa, zur Zeit sind Heidel- und Wacholderbeeren reif, zur Kapelle Hopitzu auf 2199 m und zuletzt über einen gesicherten Steig zum Adlerhorst Stockhornbiwak auf 2598 m. Ich habe 4 Liter Wasser vom Bach mit hochgeschleppt, wir werden sparsam damit umgehen, da es überall sehr trocken ist. Ein Heli hat einen Wassercontainer hoch transportiert, für den Notfall gibt es noch Trinkwasser.

Stockhornbiwak

Das achteckige Biwak bietet in drei Etagen Platz für 18 Personen. Heute sind 6 Leute dort, außer uns noch 4 französisch sprechende Kletterer. Es gibt einen Tisch in der Mitte und der Platz reicht gerade für uns 6, wir stellen uns vor es wäre voll belegt und das Wetter schlecht…

Roland am WSW-Sporn des Stockhorns

Am Freitag Morgen um 6 brechen wir zum WSW-Sporn (4c) auf, einer Tour auf den 1. Südgratturm (2926 m) ohne fixes Sicherungsmaterial mit 8 Seillängen, 240 m. Außer leichten grauen Abnutzungen am Fels und 3 Normalhaken finden wir keine Anzeichen auf frühere Begehungen, doch wir finden den richtigen Weg. Der Granit ist nicht immer fest und so klettern wir vorsichtig. In der vierten Seillänge ist der Fels steil, ich finde in einem Schulterriss rechts wenig Halt, der linke Fuß steht auf einem kleinen Tritt, ich will zurück klettern doch der linke Fuß rutscht ab, ich falle und schreie, ein Sturz etwa 5 Meter im alpinen Gelände. Die Zwischensicherung mit meinem gelben Camalot hält, außer ein paar Kratzern am Schienbein und Ellbogen ist mir nichts passiert, die Sicherungskette hat gehalten, der Puls rast, Roland fragt besorgt „alles in Ordnung?“. Das ist mir noch nie passiert und in dem Gelände ist Stürzen tabu. Bei Roland ist das Seil am Stand nur etwa 10 cm durch die HMS gerutscht, ich stand vor dem Sturz etwa 1,5 m über der Sicherung, der Fels nimmt viel Reibung auf.

Ich finde schnell meine sonst sehr stabile Vorstiegsmoral zurück, wir klettern weiter zum Gipfel des Sporns, halten uns aber nur ganz kurz auf, da wir beide großen Respekt vor dem Abstieg haben. Wir gehen kein Risiko ein, sichern vom Gipfel hinunter, Gelände 2a und richten an einem Block eine Abseilstelle ein. Es sieht nicht so aus, als wäre hier in letzter Zeit jemand geklettert. Nach zwei Stunden erreichen wir das Stockhornbiwak, im Hüttenbuch lesen wir, dass diese Tour nur eine Begehung pro Jahr erfährt, die meisten Seilschaften klettern den Südgrat oder die Überschreitung der fünf Türme des Stockhorns.

Nach einer Mittagspause seilen wir über den gesicherten Steig ab und wandern in 3 Stunden hinauf zur Baltschiederklause, dieser urigen Hütte auf 2783 m die wir vom letzten Jahr noch in sehr guter Erinnerung haben. Um 3:30 starten wir zur Baltschiederlücke, um 6:15 bestaunen wir den Sonnenaufgang eines schönen Tages, eine Aussicht auf die Berner und Walliser Bergwelt. Es hat sehr wenig Schnee, das Firnfeld zur Lücke ist praktisch nicht mehr vorhanden, der Gredetschtgletscher auf der Rückseite ist aper. Wir verlieren keine Zeit, der Gipfel des Nesthorns (3821 m) lacht zu uns herunter. Als wir auf dem aperen Gletscher etwa 40 Grad steil ansteigen kommt bereits die Sonne in den linken Teil. Es lösen sich plötzlich große Steine, die links von uns in die Tiefe sausen. Ich treffe sofort die Entscheidung, Roland ist meiner Meinung, wir weichen nach rechts aus und steigen ab – das Risiko ist zu groß und unkalkulierbar.

Bietschhorn in der Morgensonne

Die warmen Temperaturen haben diese mit wenig-schwierig bewertete Hochtour zu einer ernsten Sache gemacht – der Rückweg am Nachmittag wäre extrem gefährlich. Es steht außer Frage, die Berge verändern sich massiv und Schwierigkeitsbewertungen müssen kritisch geprüft werden.

Auf der Baltschiederlücke

Zurück auf der Lücke beobachten wir eine Stunde eine Dreierseilschaft, die sich in dem Spaltengewirr des Gredetschtgletschers kaum bewegt. Sie haben uns gesehen, aber geben kein Notsignal. Wir beschließen zur Baltschiederklause abzusteigen.

Walliser 4000er, ganz rechts der Dom

Baltschiederlücke vom Gredetschgletscher

Um 14 Uhr sind wir wieder bei der Hütte, genießen die Ruhe und die Sonne, auch wenn es mit dem Gipfel nicht geklappt hat war es eine schöne Bergtour.

Terasse der Baltschiederklause

Mit dabei – Roland und Oliver

Galerie:

Neue Routen werden geschraubt

Nachdem am letzten Schultag über 25 Sportler ehrenamtlich ca. 800 Griffe in 48 Routen abgeschraubt und gereinigt haben, wurde die Wand im DAV Kletterzentrum einer gründlichen Jahresinspektion unterworfen. Nun sind zwei tschechische Routenschrauber im Einsatz, damit nach den Sommerferien mit 40 neuen Routen weitergeklettert werden kann. Frisch zum Klettercup im November werden weitere 20 Routen neu geschraubt.

Matterhorn by fair means

Nachdem ich 2016 meinen ersten Versuch wegen schlechtem Wetter abgebrochen hatte (siehe www.alpenverein-freudenstadt.de/tourenberichte/2016/594-aufs-matterhorn-by-fair-means) und am 151. Jahrestag der Erstbesteigung am 14.7.2017 meinen zweiter Versuch beim Solvaybiwak auch gescheitert war, fasste ich den Entschluss, es noch einmal zu versuchen. Es gibt verschiedene Möglichkeiten die Besteigung anzugehen, doch eine gute Taktik ist nötig, da es viele Gipfelaspiranten gibt. Wie in den vorausgehenden Versuchen entschied ich mich für die ehrliche Art, ohne Seilbahn und ohne Hüttenübernachtung, vom Campingplatz Zermatt zum Gipfel und zurück. Ich hatte noch die Worte einer erfolgreichen Besteigerin bei meinem zweiten Versuch im Ohr - „das Matterhorn by fair means ist keine gute Idee - wozu gibt‘s die Hütte und die Seilbahn?“ Die Frau trafen wir beim Solvaybiwak und leider hatten wir wenig entgegenzusetzen. Im Aufstieg hatten wir acht Aspiranten getroffen, die die Nacht im Freien oder im Notbiwak verbracht hatten – das ist aus Beschreibungen bekannt. Trotzdem ärgerte mich die Aussage in meinem Inneren. Meine Antwort war „dann müssen wir einfach das nächste Mal schneller sein“. Im Nachhinein erinnerte mich der Ansatz an Kurt Albert, wenn die Route zu schwierig ist liegt das nicht an der Route, sondern am Kletterer – trainieren und wieder probieren!

Dritter Versuch, 28.7.2017, die Verhältnisse sind nicht ideal, etwa 5 cm Neuschnee ab 3500 m. Ich startete allein um 0 Uhr beim Campingplatz, erreichte um 4 Uhr die Hörnlihütte und nahm um 4:30 die Fixseile in die Hände. Der freundliche Bergführer an der Rezeption des Campingplatz hatte mir von einer Besteigung abgeraten und empfohlen noch ein paar Tage zu warten, bis der Neuschnee abgetaut wäre. Leider bot mein familäres Zeitfenster diese Option nicht, so machte ich mich trotzdem auf den Weg. Es waren etwa 20 Stirnlampen am Einstieg vor mir. Durch den Neuschnee war die Orientierung in der Dunkelheit gut, ich hatte keine Probleme den richtigen Weg zu finden. Ab der unteren Moseleyplatte kletterte ich mit Steigeisen und behielt sie die ganze Tour bis zum Abstieg auf 3500 m an. Um 6:30 war ich beim Solvaybiwak, stieg ohne Pause weiter. Ein stark böiger und eisiger Wind blies von Westen, Schneekristalle peitschten mir ins Gesicht und ich fühlte mich wie im tiefsten Winter. Trotzdem ging ich weiter, im Lee links vom Grat war es angenehm windstill. Ab 4200 m merkete ich die Anstrengung, doch ich ging weiter und stand um 9:45 glücklich am Gipfel. Die schwarze Gipfelmadonna hatte mich erst etwas erschreckt, menschengroß, dunkel wie Darth Vader – nicht schön aber selten…

Der Gipfelmoment war kurz aber eindrücklich, die Aussicht durch die Bewölkung nicht der Rede wert, aber das Gefühl unbeschreiblich. Der Wind war so kalt und stark, dass ich nach 7 Minuten schon wieder den Rückweg antrat. Im Abstieg nutzte ich mein 30 m Seil und seilte mich an vielen Stellen ab. Nach einem langen Abstieg erreichte ich nach 18 einhalb Stunden wieder den Campingplatz und fühlte mich doch noch überraschend fit.

Auch an Alexander Huber musste ich denken, er hatte in einem Vortrag sinngemäß erwähnt, „die wirklich außergewöhnlichen Momente kannst du nicht kaufen, die musst du dir erarbeiten!“.

Foto-Gallerie

In Zahlen, 2944 Höhenmeter, Entfernung 27 km, Schwierigkeit AD+, 3-, Dauer 18:30 h