Sektion Freudenstadt e.V. des Deutschen Alpenvereins

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2011

Traumberg Matterhorn !!! ???

                                     

Dieser steile Zahn von Berg am Ende des Mattertals ist allein schon vom Anblick her eine Reise nach Zermatt wert. Ein Magnet für´s Auge. Doch nicht nur hierfür. Die meisten Bergsteiger hegen wohl den Traum, einmal im Leben auf dem Hörnli zu stehen. So ging es auch mir. Lange Zeit sagte ich mir, da muß ich nicht oben gewesen sein. Man hört ja allerhand Geschichten, wie´s am Berg zugeht.

Doch spätestens seit ich das Matterhorn das erste Mal in natura gesehen hatte, ließ mich der Gedanke daran nicht mehr wirklich los. In mir versteifte sich dann die Ansicht „wenn schon, dann aber auf jeden Fall nicht über den Hörnligrat“.

Ein paar Jahre vergingen, und dann sollte es wirklich soweit sein. Wir wollten nun diesen Sommer dem Hörnli über den Zmuttgrat auf´s Dach steigen. Soweit mein Traum - doch oft kommt´s anders als geplant.

 Am 19. August fuhr ich also mit Jürgen und Micha, zwei Freunde von der FÜL-Ausbildung, los nach Zermatt. Wir trafen uns Mittags um 15 Uhr auf einem P+R Parkplatz in der Nähe von Ulm. Für mich völlig ungewohnt, diese Richtung ins Wallis zu fahren. Doch da die Beiden aus Augsburg, bzw. Nürnberg kommen, war dies der sinnvollste Treffpunkt. Wir fuhren über Bregenz und den Furkapaß nach Täsch, wo wir uns dann auch bald nach unserer Ankunft auf dem Parkplatz beim Campingplatz in unsere Schlafsäcke neben dem Auto legten. Am folgenden Morgen ging es dann auf nach Zermatt und von hier hinauf zur Hörnlihütte. Entgegen dem ursprünglichen Plan, alles zu Fuß zu bewältigen, entschlossen wir uns dazu, bis zum Schwarzsee mit der Bahn zu fahren, da wir in Hüttennähe biwakieren wollten und der Rucksack von jedem doch über 20kg wog. Außerdem wollten wir noch am selben Tag den Einstieg auf das obere Gletscherplateau erkunden.

Der Plan war nun, am nächsten Tag den Hörnligrat bis zur Solvay als Akklimatisationstour zu machen und Tags darauf dann den Zmuttgrat anzugehen. Doch beim erkunden des Einstiegs mußten wir feststellen, dass die Hüttenwirtin recht hatte, indem sie sagte, der Zmutt sei momentan nicht zu machen. Die Felsbarriere zwischen unterm und oberen Gletscherplateau war nur schwer zu überwinden. Ein riesen Bergschrund hatte sich aufgetan und an der üblichen Stelle war absolut kein rüberkommen. Etwas weiter rechts war eine kleine Schneebrücke und gesichert von meinen Partnern wagte ich dort den Schritt über den Schrund, konnte die Felsen auch ein paar Meter nach oben klettern, doch es war wesentlich schwerer als an der eigentlichen Stelle wo man nach oben steigt und eine Querung hinüber war mir unmöglich. Als dann auch noch ca. einen halben Meter neben Micha ein Stein einschlug, brachen wir das ganze ab. Dies war mal wieder die Bestätigung dafür, dass man sich am Nachmittag nicht unter Nordwänden herumtreiben sollte. Wir hatten dennoch die Erkenntnis erlangt, dass es wohl machbar wäre. Jedoch sehr schwer und in der Nacht nicht gerade einfacher und es uns am Ende wohl zuviel Zeit kosten würde.

 

 

Schweigend stapften wir dann zurück zum Biwak. Jeder machte sich wohl so seine Gedanken wie wir es angehen sollten. Beim Abendessen beschlossen wir dann, den Hörnligrat doch bis zum Gipfel zu machen, damit wir wenigsten oben waren. Wir wollten dann am kommenden Morgen recht früh los, damit wir wenn möglich, die Ersten am Grat sein werden. Dies war unsere Strategie für den Fall, dass wir Orientierungsprobleme im unteren Teil des Grates bekommen würden und wir uns dann an die Bergführer „hängen“ konnten.

Wir waren dann wirklich die Ersten am Einstieg. Es war genau 5 Uhr Morgens und außer uns kam noch eine 3er Seilschaft , welche dann gleich nach uns einstieg. Ungefähr die erste halbe Stunde gingen wir dann zusammen, doch dann wurde der Abstand zunehmends größer und bald waren wir allein unterwegs. Die Wegfindung fiel uns leichter als Gedacht, oder wir hatten Glück immer den Richtigen genommen zu haben, denn es gibt schon viele Möglichkeiten, wovon aber einige in Sackgassen oder schwerere Wege führen. Unserer war zumindest nicht ganz schlecht und so wurden wir dann auch erst kurz vor der unteren Moseleyplatte vom ersten Bergführer mit seinem Kunden überholt. Ab hier war der Weg dann recht logisch, meist immer am Grat entlang, mit zum Teil tollen Tiefblicken in die Nordwand hinein. An der Solvayhütte angekommen verweilten wir auch gar nicht lange. Ein kurzer Blick hinein in diesen „Saustall“ und weiter ging´s.

An den Schneefeldern unterm Gipfel hatten wir dann, wie auf dem ganzen Grat zuvor auch, richtig gute Bedingungen. Zwar zogen wir die Steigeisen an, jedoch war keine Spur von Eis zu finden. Lediglich ca. 10 cm tiefer Firn, welcher herrlich zu gehen war.

  

Um 8.10 Uhr erreichten wir dann den schweizer Gipfel und waren recht erstaunt als wir auf die Uhr schauten. 3 Stunden und 10 Minuten, das war gar nicht schlecht. Allerdings machten wir alles, wie später auch den Abstieg, seilfrei, was in diesem Gelände sehr viel Zeit einspart. Da die technischen Schwierigkeiten im Allgemeinen nicht wirklich hoch sind, war dies wohl vertretbar. Trotzdem mußte man bei jedem Schritt konzentriert sein, denn ein „Ausrutscher“ hätte meist böse Folgen gehabt.

Nun war ich richtig ergriffen darüber, auf dem Gipfel zu stehen. Dieses Gefühl hatte ich zuvor noch nie auf einem Berg – einfach überglücklich. Ein Traum. Auf der einen Seite Breuil, auf der Anderen Zermatt. Fast 3000 Hm tiefer und rundherum die Walliser Riesen. In der Ferne der Mont Blanc und so weit das Auge reichte, keine einzige Wolke am Himmel. Schon gigantisch, wie dieser Berg so ganz alleine, nur für sich, da steht.

 

Wir gingen dann noch zum italiener Gipfel hinüber und machten uns dann nach insgesamt ca. 20 Minuten auf dem Gipfel auch schon wieder an den Abstieg. Hierbei begegneten wir dann den vielen Seilschaften welche sich noch im Aufstieg befanden. An den Fixseilen waren wir richtig frech und hangelten uns schnell hinunter, bevor einer der anderen Bergsteiger das Tau in die Hände bekam. Wenn Du hier nachgiebig bist, kann es sein Du wartest eine Stunde oder mehr, bis die ganze Schlange oben ist. Dennoch brauchten wir für den Abstieg ca. 20 Minuten länger als für den Aufstieg, hatten aber auch eine kleine Pause eingelegt, welche wir uns im Aufstieg ja nicht gönnten.

Um 13 Uhr waren wir wieder heil unten bei der Hörnlihütte angekommen, füllten unseren Zuckerhaushalt mit einer Cola und machten uns dann auch gleich daran, am Biwakplatz unsere Zelte abzubauen und abzusteigen.

 In Zermatt gingen wir dann noch in das bekannte amerikanische Gourmet Restaurant am Straßenrand, dann im Taxi nach Täsch zum Auto und nach einer Dusche auf dem Campingplatz auch gleich an die Heimfahrt. Somit war das Matterhorn am Ende ganz schnell abgehakt.

Für mich war dieser Tag dennoch ein Traum. Einfach wunderschön!

Für die Bergsteiger mit Bergführer jedoch eher ein Albtraum. Gezogen und gezerrt am kurzen Seil, der Puls auf 200 und Anweisungen, die wie militärische Befehle klingen. Am Ende vielleicht 10 Minuten auf dem Gipfel. Eine kurze Stärkung, ein paar Bilder und das Selbe abwärts in noch strengerem Ton. Das Ganze dann für 1000 Euro. Ein teurer (Alb)Traum. Glaube kaum, dass viele Kunden dies genießen konnten. Soviel zu den Geschichten, welche man immer wieder hört.

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