Sektion Freudenstadt e.V. des Deutschen Alpenvereins

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Eisklettern an den Renkfällen

Am Wochenende, 12. und 13. März machten wir uns auf den Weg ins Kaunertal. Im Führer aus dem Jentzsch-Rabl Alpinverlag Eisklettern in Tirol ist von einem der besten Eisklettergebiete Tirols die Rede. Sehr gespannt waren wir auf die aktuellen Verhältnisse, da in diesem Winter die Auswahl an guten Eisklettermöglichkeiten sehr beschränkt war.

Der Zustieg entlang des Stalanzer Bachs erinnerte uns an den heimischen Sankenbach. Kurz vor der Stalanzer Alpe wurde der Blick frei auf die Renkfälle und unsere besten Erwartungen wurden übertroffen. Ein beeindruckend massiver Eisfall präsentierte sich – die Anfahrt und der lange Zustieg von zweieinhalb Stunden hatten sich mehr als gelohnt, das Eis war gut. Es waren bereits mehrere Seilschaften im Fall, eine im klassischen Renkfall, eine im Nasenbein und eine in der Eisspur. Wir warteten etwa eine halbe Stunde, bis die Eisspur frei wurde, um so dem Risiko des Eisschlags durch andere Kletterer zu entgehen. Die Route im Grad WI 5+/6- stellt einen hohen technischen Anspruch. Wir kletterten die erste Seillänge bis zu einem sicheren Stand vor einem hellen Fels – 70 m, die letzten 10 m am gleitenden Seil. Nun folgte eine schwere Seillänge im senkrechten und dünnen Eis, die jedoch durch vorhandene Hooks einfacher als erwartet zu klettern war. Den nächsten Stand mussten wir als Hängestand im senkrechten Eis einrichten – unbequem für einen längeren Aufenthalt. Auch die letzte Seillänge erforderte noch einmal vollen Einsatz, in gutem Eis ging es senkrecht bis zum Ausstieg – auf Höhe der Anton-Renk-Hütte. Eine eindrückliche Linie durch diesen gigantischen Eisfall – die Beschreibung im Führer war nicht übertrieben.

Mit dabei waren Simon und Olli

Wie lernt man klettern?

In einem Toprope-Kurs lernten fünf Anfänger Basiswissen rund um das Klettern im Nachstieg. Material- und Knotenkunde, Sicherung, Partnercheck und Kommandos gehörten genauso dazu wie das Klettern und Ablassen an sich. Das viele Üben führte zu einer kurzen praktischen Prüfung, die alle bestanden. Der Erhalt des Toprope-Scheins war die Belohnung.

 

Landesjugendleitertag in Freudenstadt

Am 20. und 21. Februar richtete die Sektion Freudenstadt den Landesjugendleitertag der Jugend des Deutschen Alpenvereins (JDAV) Baden-Württemberg aus. Der Landesjugendleitertag ist das basisdemokratische Entscheidungsgremium der circa 400 Jugendleiterinnen und Jugendleiter der JDAV in Baden-Württemberg. Gut 80 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus dem ganzen Land waren zu diesem Ereignis angereist und tagten von Samstag bis Sonntag in der Alten Turn- und Festhalle und in der David Fahrner Halle.

 

Am Samstag Nachmittag beschäftigten sich die Jugendleiter und Jugendleiterinnen in vier Foren mit aktuellen Themen der JDAV:

  • Eine Fahne zu viel… - Ein Spagat zwischen Kumpel und Spielverderber.
  • Rein in den Nationalpark!?
  • Brauchen wir geschlechtsspezifische Schulungen?
  • Neue Jugendordnung und Co - und nun?

 

Der weitere Nachmittag stand ganz im Zeichen der Kampagne „Jugendarbeit ist MehrWert“ des Landesjugendrings. Die Jugendverbände in Baden-Württemberg fordern ein Betreuungsverhältnis von 1:5, Tagessätze für Freizeiten und Bildung von 25,- Euro und eine Förderung von Bildungsmaßnahmen und Zeltmaterialien von 50 %. Nach einer anregenden Vorstellung der Ziele und Hintergründe der Kampagne bestand Gelegenheit zur Diskussion mit einer Kandidatin (Uta Schumacher, SPD) und zwei Kandidaten (Wolf Hoffmann, B90/Grüne und Timm Kern, FPD) zur Landtagswahl.

Nach den Nachmittagssitzungen und dem Abendessen genossen die Teilnehmer viel Bewegung bei Spiel, Sport und Klettern. Der gemütliche Ausklang des Tages bis in die tiefe Nacht bot willkommene Gelegenheit zum gegenseitigen Kennenlernen und Austausch der Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus den unterschiedlichsten Sektionen.

Am Sonntag Vormittag fand der „parlamentarische Teil“ des Landesjugendleitertages statt. Die Landesjugendleitung präsentierte ihren Jahresbericht und wurde von den Stimmberechtigten Teilnehmern und Teilnehmerinnen entlastet, die sich mit reichlich Applaus für die während des ganzen Jahres geleistete Arbeit bedankten. Die Überarbeitung der Bundes- und Landesjugendordnung (der sogenannte „Strukturprozess“) hatte in den vergangenen Jahren die Arbeit der JDAV-Gremien wesentlich geprägt. Die Früchte dieser Arbeit bestehen unter anderem in einer Novellierung der Landesjugendordnung und der Wahl- und Geschäftsordnung des Landesjugendleitertages, die in Freudenstadt beschlossen wurden. Julian Robertz (Landesjugendleiter) und Benjamin Wilke (1. stellvertretener Landesjugendleiter) hatten diesen Strukturprozess ganz wesentlich vorangebracht. Beide schieden nach Ende Ihrer Amtsperiode in Freudenstadt aus dem Amt aus. Nach abgeschlossenem Studium stehen beide vor einem neuen Lebensabschnitt und stellten sich nicht mehr zur Wahl. Sichtlich bewegt verabschiedeten sie sich von den anwesenden Jugendleiterinnen und Jugendleitern, die sich mit „Standing Ovations“ für deren mehrjährigen unermüdlichen Einsatz bedankten. Nach den Regeln der neuen Landesjugendordnung wurde eine Landesjugendleiterin (Valeria Junge, Sektion Stuttgart) und ein Landesjugendleiter (Philipp Gerhard, Sektion Tübingen) als Nachfolger gewählt. Neu gewählte Umweltrefentin ist Miriam Hörth (Sektion Pfullendorf), sie löst Thomas Bodmer ab. Simon Kunigham wird im Amt des Bergsportreferenten von Magda Reuter (Sektion Karlsruhe) abgelöst. Neben Kai Lochmüller und Katja Fink wurde Loreen Kuhla (Sektion Freudenstadt) zur Kassenprüferin gewählt. Daniel Drews ist stellvertretender Kassenprüfer.

Etwa 40 Helferinnen und Helfer (¾ davon aus der Sektion Freudenstadt) haben im Hintergrund mit angepackt, um den Tagungsort vorzubereiten, für einen reibungslosen Ablauf rund um die Uhr zu sorgen und Essen für alle aufzutischen. Ihnen allen sei an dieser Stelle für ihren Einsatz herzlich gedankt.

Ausbildung zum Trainer B Eisfallklettern

Der Termin 5. Februar 2016 rückte näher und ich rechnete täglich mit einer Absage – zu warm waren die Temperaturen und in den einschlägigen Foren waren auch nur spärlich Berichte über geglückte Begehungen von Eisfällen zu finden. Doch es kam keine Absage und sechs Teilnehmer machten sich auf den Weg in die Dolomiten nach Außerprags – das Hotel Edelweiß wurde für zehn Tage unser Quartier.

Die Leitung übernahmen Chris Semmel und Helmut Mittermayr, beide staatl. geprüfte Bergführer aus dem Bundeslehrteam des Alpenvereins. Beide bilden Bergführer im Eisfallklettern aus, Chris leitete jahrelang die Sicherheitsforschung im Alpenverein und Helmut fliegt unter anderem im Hubschrauber bei Rettungseinsätzen der Bergrettung mit. Von zwei solch erfahrenen Bergführern in einem Betreuungsverhältnis drei zu eins lernen zu dürfen war ein Highlight der qualitativ hochwertigen Ausbildung.

Der Stützpunkt am Rand der Dolomiten erwies sich als günstig – mit dem Auto konnten Gebiete mit guten Eisbedingungen erreicht werden. Strategisch konnte hier auch auf das Wetter reagiert werden, um die Region bei vorhergesagtem Schneefall ideal zu wählen.

Schon der vorab verschickte Wochenplan ließ keinen Zweifel aufkommen, es wird harte Arbeit und einen prall gefüllten Tagesablauf geben. Im Sass Dlacia Eisklettergarten bei Corvara starteten wir mit den Grundlagen der Eisklettertechnik und dem Einrichten von Toprope-Stationen für den Kursbetrieb. Direkt neben der Skipiste zogen die Übungen die interessierten Blicke der Skifahrer auf sich – auch ein Quadrokopter wurde eingesetzt.

Am nächsten Tag ging es in der Kleingruppe zu viert zur Rosslahne, wo bereits die ersten Mehrseillängenrouten im Vorstieg geklettert und Abseilstände mit Abalakov-Eissanduhren eingerichtet wurden.

Eine vorhergesagte Wetterverschlechterung mit Neuschnee nutzten wir für verschiedene Varianten der LVS-Suche von Einfach- und Mehrfachverschütteten. Auch in diesem Bereich gaben die beiden Bergführer ihr breites Detailwissen weiter, das sie u.a. auch in die Produktentwicklung der Gerätehersteller einfließen lassen.

 

Am nächsten Tag wanderten wir zum gut versteckten Möslegraben bei Toblach, voll gepackt mit Bohrmaschine und Kletterausrüstung. Sechzig Meter abseilend erreichten wir den Grund der Schlucht. Helmut richtete eine neue Mixed-Route ein und positionierte sich mit Kamera am gegenüberliegenden Hang. Für eine spätere Videoauswertung wurden alle Teilnehmer in Eis- und Mixed-Routen gefilmt – die Schwierigkeiten lagen hier im Bereich von Wi 5+ und M6.

Von nun an wurde von den Teilnehmern ein größerer Anteil an der Tourenplanung gefordert. Die Ausfahrt in die Sellagruppe ließ mehrere Varianten zu und die Kleingruppen entschieden sich für die Route „Schwert des Damokles“ (Wi 4+, 140 m) und „Nur für Wenige“ (Wi 4+, 110 m).

Ein weiteres Highlight folgte am nächsten Tag mit der Schlucht von Sottoguda am Fuß der Marmolada – einem Topgebiet der Dolomiten. Hier fanden wir gute Bedingungen und in drei Seilschaften wurden alle Eisfälle in der Schlucht geklettert. Die „La spada nella roccia“, eine 45 m hohe Kerze bot imposante senkrechte Kletterei im Schwierigkeitsgrad Wi 5.

Am Nachmittag folgten Lehr- und Übungseinheiten zu komplexen Themen der behelfsmäßigen Bergrettung an der Cascata del Sole.

Mit dieser Vorbereitung starteten wir gut gerüstet am Freitag in die erste Prüfung in Führungstechnik im langen Eisfall. Der 250 m lange Obstanzer Eisfall bei Kartitsch in Osttirol bot hierfür das passende Gelände. In der Kleingruppe mit zwei Seilschaften und fünf Personen kletterten wir diesen in dreieinhalb Stunden und anschließendem Abseilen von einer knappen Stunde. Durch diese Leistung hatten wir uns den Aufenthalt in der Hotelsauna redlich verdient.

Am Samstag folgten weitere Prüfungen in Bergrettung und persönlichem Können. Als Abschluss folgte eine Theorieprüfung mit drei Teilbereichen.

Alle Teilnehmer schafften die Prüfungen und konnten ihre Eisklettertechniken entscheidend verbessern. Dank an die Ausbilder und den Alpenverein, für diese gelungene Ausbildung.

Oliver Mohrlok

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