Sektion Freudenstadt e.V. des Deutschen Alpenvereins

Textgrösse verändern Text vergrößern Textgrösse zurüsetzen Text verkleinern
Aktuelle Seite: Start Touren Sonstiges Ausbildung zum Fachübungsleiter

Sonstiges

Ausbildung zum Fachübungsleiter

 

Grundkurs Alpin vom 12. -19.07.2009

 

Im Sommer 2009 begann ich meine Ausbildung zum Fachübungsleiter (FÜL) mit dem Grundlehrgang Alpin auf der Darmstädter Hütte im Verwall. Angemeldet hatte ich mich zum Fachübungsleiter Bergsteigen. In diesem Kurs waren 7 Tage lang 12 Aspiranten für den FÜL Alpinklettern, Bergsteigen und Hochtouren vereint. Neben den praktischen Übungen und täglichen theoretischen Einheiten wurde von unseren 2 Bergführen hauptsächlich das persönliche Können beurteilt. Im praktischen Teil lag das Hauptaugenmerk auf der Handhabung der Sicherungstechniken im Fels, klettern in Sportkletterrouten, alpines Klettern und sicherheitsrelevante und rettende Maßnahmen in Firn und Eis. Es wurde immer in Sechsergruppen aufgeteilt, so dass jede Gruppe einen Berführer hatte. Wir übten die lose Rolle für eine Spaltenbergung und machten Sturzversuche in einer steilen Firnflanke. Dies kostete vor allem Überwindung, wenn man sich auf dem Rücken liegend Kopf voraus den Hang hinunter stürzt, um so schnell wie möglich wieder in eine stabile Lage (Vierfüßlerstand) zu kommen.

                    

Da das Wetter in dieser Woche recht durchwachsen war, konnten wir nur eine Gipfeltour unternehmen, welche uns dann über den Südostgrat auf den Südgipfel der Seeköpfe führte. Es war eine schöne Kletterei im max. unteren 4. Grad, welche wir komplett mit mobilen Sicherungsmitteln, Schlingen und „eingefangenen“ Blöcken absichern mussten. Der Abstieg erfolgte dann über leichtes, steinschlaggefährdetes Kletter- und Gehgelände, wo es darauf ankam, die Gruppe sicher und schnell aus der Gefahrenzone zu bringen. Natürlich hatten wir neben der täglichen Beobachtung der Bergführer auch „richtige“ Prüfungen in Form von Lehreinheiten, in denen wir einen Kurs simulierten und der Gruppe ein zu gelostes Thema vermitteln mussten. Hier war meine Aufgabe, der Gruppe den Expressflaschenzug in Verbindung mit dem Schleifknoten zu erklären, aufzubauen und üben zu lassen.

In der Theorie waren die Schwerpunkte in Orientierung (Umgang mit Karte und Kompass), Führungstechnik, alpine Gefahren und natürlich Wetter, was uns allen ehrlich gesagt ziemliches Kopfweh verursachte, da dieses Thema doch recht komplex ist. Am Ende schrieben wir dann noch eine Prüfung über diese Themen, wir mussten unter Anderem auch ein Kartenprofil zeichnen wo es hieß: zeichne einen Hang mit Bachverlauf, Mulde und Rücken.

Zum Abschluss gab es dann ein 6-Augen-Gespräch mit den Bergführern, wo einem die Ergebnisse der Prüfungen mitgeteilt wurde und die Bergführer Ihre Empfehlung abgaben. Da sie mir dann sogar die Empfehlung zum FÜL Hochtouren gaben, war ich natürlich sehr glücklich, da ich insgeheim schon darauf gehofft hatte und der Hochtourenführer einfach die Krönung ist.

 

 

Aufbaulehrgang I (Felskurs) vom 13. -19.06.2010

 

Diesen Kurs absolvierte ich mit 10 weiteren „Kollegen“ auf der Tannheimer Hütte. Dies war meines Erachtens nach der einfachste Kurs mit dem größten Spaßfaktor, da es sich hauptsächlich ums klettern drehte. So war dann der theoretische Teil auch sehr gering, wo wir eigentlich nur die Themen Orientierung, Erste Hilfe, Sicherungsmaßnahmen im Fels und Materialkunde hatten. Die Theoriestunden wurden aber recht kurz gehalten. Hier wurde dann auch keine schriftliche Prüfung geschrieben, was den ganzen Kurs doch sehr auflockerte. Natürlich beobachteten uns die Bergführerr wieder mit ihren Adleraugen bei jedem Tun während der Übungen und Klettereien, welche am Gimpel und der Roten Flüh stattfanden. Wir kletterten die Rote Flüh Südwestwand (V, 1 Stelle VII oder AO) und den Gimpel Westgrat (meist IIIer und IVer Gelände mit einer Stelle V-, welche „sich nur Mut Johann“ nennt).

           

Was diesen Kurs etwas besonders machte, war die Teilnahme einer Naturschutzbeauftragten des Dav-Lehrteams für Umwelt und Naturschutz, wo wir dann sogar ein kleines Referat vor der Gruppe während der Tour halten mussten. Hier war mein Thema Flechten und Felspflanzen.

      

Natürlich mussten wir uns auch in diesem Kurs wieder Prüfungen stellen, wobei im praktischen Teil meine Aufgabe war, einer Kletterkursgruppe Techniken für einen Trittwechsel mit der notwendigen Präzision zu zeigen und durchführen zu lassen. Dies beinhaltet daneben und drüber Treten, dynamischer Trittwechsel und wechseln über Zwischentritte oder Reibung. In der theoretischen Prüfung hatte ich zum Thema Orientierung die Aufgabe, den Aufbau und die einzelnen Bestandteile von einem Kompass zu erklären und die Anwendung anhand von peilen, vorwärts und rückwärts Einschneiden sowie dem seitlichen Abschneiden zu vermitteln.

 

 

Aufbaulehrgang II (Eiskurs) vom 10. -19.07.2011

 

Hierfür meldete ich mich zum Kurs auf dem Taschachhaus im Pitztal an. Dies war wie zu erwarten der härteste und schwerste Kurs von allen. Allein schon die länge von 10 Tagen ließ auf einen intensiven Lehrgang schließen. Der tägliche Ablauf war voll gespickt mit Theoriestunden und praktischen Übungen, Touren und Prüfungen. Im theoretischen Teil ging es hier hauptsächlich um Führungstechnik in Fels und Eis, sowie um besondere Wettereinflüsse speziell in den Alpen. Außerdem war Erste Hilfe ein großes Thema.

Anstatt Drei konnten wir zwecks dem Wetter leider nur zwei Übungstouren unternehmen, wo wir geschult wurden, eine Gruppe oder Seilschaft sicher und schnell zu führen. Die Erste Tour führte uns über den Urkundkopf auf den Urkundsattel und von dort auf den Pitztaler Urkund. Zurück ging es dann wieder über den Sattel und den Sexegertenferner. Die Zweite Tour brachte uns über den Sexegertenferner auf die südliche Sexegertenspitze. Bei diesen Touren war Führungstechnisch so ziemlich alles mit dabei. Zu führen hatten wir immer eine Dreierseilschaft und bewegten uns in jedem denkbaren Gelände. Auf dem Gletscher, in felsigem Blockgelände, in bis zu 60° steilen Firn- und Blankeisflanken. Wir mussten die Seilschaft sicher über Bergschrunde bringen und abwechselnd Fels- oder Schneegrate bewältigen. Somit war es führungstechnisch sehr anspruchsvoll und verlangte uns dann schon einiges an Führungstechnik ab und vor allem höchste Konzentration.

                     

Viel Spaß bereitete uns die Übungen zur Spaltenbergung, wo wir uns gegenseitig mittels loser Rolle aus ca. 8 m aus Spalten befreiten oder uns selbst mit der „Münchhausentechnik“ heraushieften.

Bei meinen Prüfungstouren musste ich einmal vom Taschachhaus über den Sexegertenferner zum Taschachjoch, dann die Gratüberschreitung von Ost nach West bis zur Hochvernagtwand. Diese dann im Abstieg runter und wieder zurück zur Hütte. Die Zweite war über das Gamsköpfle und den Rimmelsteig auf den Taschachferner oberhalb der Taschachwand. Von dort zum Brochkogel Joch, dann die Überschreitung des Hinteren Brochkogels und vom Mitterkarjoch wieder über den Ferner zurück zur Hütte.

                     

Des weiteren hatten wir Prüfungen im Steileis und auf dem Gletscher, wo die Vertikalzackentechnik geprüft wurde. Hierfür legten die Bergführer einen Parcours an, den wir komplett mit der Eckensteintechnik absolvieren mussten.. Es war uns aber frei gestellt, ob wir den Pickel als Stützpickel, Geländerpickel, Seitstützpickel oder Spazierstockpickel verwendeten. Das Gelände war jedoch recht steil, so dass jedem von uns die Oberschenkel brannten und man in der Realität solch Geländeformen wohl mit den Frontalzacken bewältigen würde.

Bei der Steileisprüfung im Gletscherbruch mussten wir zwei Routen im Vorstieg machen. In einer etwas leichteren mit etwa 80° - 85° mussten wir die Eisschrauben selbst setzten und in der Zweiten mit 90° – 95° waren die Schrauben schon gesetzt.

      

Am Ende wurde dann die abschließende schriftliche Prüfung gemacht und jeder war froh, dass die Anspannung nun vorbei ist. Leider sind auch in diesem Kurs, wie in den zwei vorherigen Kursen ebenfalls, 2 Teilnehmer durchgefallen, wo es aber beim Einen oder Anderen nicht immer nachvollziehbar war. Wir wurden das Gefühl nicht los, dass die Bergführer einfach eine Durchfallquote brauchen, denn die Entscheidungen sind doch recht subjektiv solange keine Kardinalfehler während der praktischen Prüfungen gemacht werden. Deshalb bin ich um so glücklicher, den Schein nun in der Tasche zu haben und kann die Zeit, welche mich die Ausbildung die letzten 3 Sommer gekostet hat, mit schönen Touren und Kursen für die Sektion verwenden. Darauf freu ich mich schon sehr und hoffe natürlich, dass meine Angebote rege angenommen werden.

Einen besonderen Dank für die Unterstützung und das Vertrauen möchte ich an Traudi von der Geschäftsstelle, unseren Ausbilungsreferenten Uwe, sowie den gesamten Vorstand richten.

 

Oliver Dorka

 

 

 

 


 

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.